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In der Blog-Rubrik von religion.ch soll für jede Stimme - ob religiös oder nicht-religiös - Platz gefunden werden. Persönlichkeiten unterschiedlichster religiöser Herkunft aus verschiedenen Regionen der Schweiz äussern auf ihre persönliche Art und Weise ihre Gedanken, Meinungen, Erfahrungen oder Problemstellungen der heutigen Gesellschaft in Bezug auf Religion.

Hinter der Wichteltür

  «Jürgen Habermas räumt den Himmel leer», hiess es sinngemäss in einer Schweizer Tageszeitung kurz vor Jahresende. In seinem neuesten monumentalen Beitrag zur abendländischen Geistesgeschichte versöhne der Philosoph Glauben und Wissen. Das finde ich hoch interessant, werde das weit über tausend Seiten dicke Buch aber nicht lesen, vielleicht aber trotzdem anschaffen. Habermas' Schreibe ist mir einfach eine Nummer zu hoch. Nicht aber der Einsatz für einen aufgeklärten Glauben, einen Glauben frei von Aberglauben, für wahr halten abenteuerlicher Dinge jenseits aller Vernunft. Für mich ist der Himmel schon lange leer. Jedenfalls finde ich dort viel Leere, abgesehen von etwas Strahlung und sehr wenig Materie. Diese Leere macht Angst und fasziniert mich.

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Institutionalisierung der Religion - Fluch oder Segen?

Einmal hörte ich von einer im Christentum beheimateten Bekannten: "Ich muss nicht unbedingt in die Kirche gehen, um ein guter Christ zu sein; ich kann auch in der Natur an Gott denken." – Ich war über mich selbst überrascht, als ich mich aus einem plötzlichen Bedürfnis heraus, die Kirche zu verteidigen, sagen hörte: "Natürlich ist Gott überall. Doch in der Kirche kannst du in der Gemeinschaft von Gleichgesinnten auftanken und durch die Predigt neue Inputs für deinen Glauben holen."

Doch dann wurde mir bewusst, dass ich als Muslimin und Angehörige einer Minderheit eigentlich für mich selbst gesprochen habe. Denn für mich bedeuteten die Treffen in der Moschee nämlich genau das. Als Minderheit spürt man intensiver das Bedürfnis, seinen Glauben in der Gemeinschaft zu pflegen.

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Jesus Christus? Er ist unser Guru

​Für viele ist Weihnachten mehr ein kulturelles und soziales Ereignis mit eher geringer spiritueller Bedeutung geworden. Da Weihnachten näher rückt und auch ich mit meiner Mutter und unserer Familie die Geburt des Christkind feiern werden, reflektierte ich etwas darüber wie wir als Hindu (Gaudiya Vaishnavas) zu Jesus stehen.

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Liebe hat langen Atem

 Wie nehmen wir Gott wahr? In Geschichten? In besonders alten Geschichten? In besonders gekennzeichneten Geschichten sogenannt heiliger Bücher? Oder doch eher im täglichen Erleben? In den wunderbaren Zusammenhängen der vielfältigen Ökosysteme? In der Vielfalt des Lebens? Im respektvollen Zusammenwirken verschiedenster Lebensformen? In wechselnder spannungsvoller Harmonie von Menschen verschiedenster Herkunft, verschiedener Kulturen, Tieren verschiedener Ernährungsvorlieben und sogar Pflanzen, die unter sich Informationen austauschen? Als strikte Abgrenzung von Richtig und Falsch oder als umfassende Liebe, die mehr möglich macht als jede einzelne Lebensform, jedes einzelne Lebewesen in sich trägt?

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Weltverzerrung im dunklen Glas

Ich staune, wie präzise J.R.R. Tolkien, Autor der Herr der Ringe Triologie, ein Element unserer heutigen Kultur vorausgesehen hat – mit all seinen Chancen und Schattenseiten. In der Form lag er daneben: Grosse dunkle Kristallkugeln, einzelne sogar so gross, dass sie mit Menschenkraft kaum hochzuheben seien. In der Zahl lag er ebenfalls daneben: Bloss sieben sind es bei weitem nicht mehr. In Mittelerde heissen sie Palantíri, bei uns Smartphones, Tablets, Personal Computer, je nachdem, ob portabel oder stationär.
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Die unsichtbare Hand

​Das war ein „heisser" Sommer: Die Klimaproteste wurden heftiger, die gewaltlosen Aktionen zielgerichteter und nerviger, die Statements in den Kommentarspalten der Medien bissiger bis gehässig. Und wir alle stossen wacker unser tägliches CO2 aus.
Für die einen scheint zu gelten: „Was ich nicht wissen will, macht mich nicht heiss." Sie liessen Dinge verlauten wie: „Ich werde grinsend ins Flugzeug steigen und meinen Langstreckenflug so richtig geniessen." Oder: „Klimaschwankungen gab es schon immer." Und Banken, Politiker und Investoren scheinen den alten Glauben an die unsichtbare Hand festzuhalten, gemäss dem der Profit weniger Einzelpersonen auf alle heruntertröpfle. Regeln und Einschränkungen gelten als des Teufels, da sich alles von selber ergeben werde. Abwarten bis sich die Stürme, Überschwemmungen und Feuersbrünste gelegt haben und Festhalten am alten Erfolgsmodell, ist offenbar die Devise.


Auf der anderen Seite der Protestbewegung bereiten sich Menschen auf die Apokalypse vor. Leben ohne fossile Energie, Selbstversorgung, Vorbereitung auf den Kampf aller gegen alle. Sämtliche Hoffnung auf das Eingreifen einer unsichtbaren Hand scheint da verloren.

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Ist Religion Glaube oder Erfahrung?

Als ich noch Lehrer für Religionskunde war habe ich mich oft aufgeregt über Schülerinnen und Schüler der oberen Klassen, die selbstverständlich davon ausgingen, dass Religion gleich Glaube sei, also etwas, was die Naturwissenschaften schon längst widerlegt hatten.

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Zu Besuch bei den Freimaurerinnen - was sich hinter den Toren vom "Zum neuen Venedig" verbirgt

Das letzte Mal, als ich am Byfangweg vorbeilief, habe ich das Haus Nummer 13 übersehen. Doch jetzt, wo ich mit Absicht auf diese mächtigen Türen des Eingangs zusteure, bin ich mir sicher, dass dieses Gebäudes mir damals hätte auffallen müssen. Zwei gleichaussehende goldige Symbole, welche aus einem Zirkel und einem Buch eine Rautenform gestalten, verzieren die hellbraunen Pforten aus Massivholz. Es ist das selbe Symbolzeichen, bei welchem man von Verschwörungstheorien munkelt. Oftmals wird dieses Abzeichen in Verbindung mit einem Geheimbund gebracht, wo die Mitglieder an den Schalthebeln der Macht sitzen. Die Regierung der Vereinigten Staaten sei gar von dieser verschwörerischen, dunkle Riten zelebrierenden Gemeinschaft kontrolliert. So hätten sie sich auf dem Ein-Dollar-Schein verewigt und der damalige Präsident George W. Bush funktionierte lediglich als Marionette dieser geheimen Gesellschaft. Die Rede hier ist von den Freimaurern.

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Was hat da eigentlich gebrannt - Notre Dame oder Votre Dame?

Als Notre Dame in Flammen stand kamen auch mir zuerst die Tränen. Erst nach den verstörenden Bildern am Fernsehen habe ich mich gefragt: Was hat da eigentlich gebrannt? Das Symbol der grossen Kulturnation Frankreich? Ein unwiederbringliches Zeugnis der Menschheit? Ein katholischer Kultort für die versprengte Häuflein gläubiger Katholiken, die immer mehr Mühe haben, ihr Recht auf Liturgie inmitten der Touristenmassen zu behaupten? Eine sinnentleerte Tapete für millionenfach geknipste Selfies?

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Das Elend der gegenwärtigen Religionswissenschaft

 Als ich im zarten Alter von 52 Jahren begonnen habe Religionskunde zu unterrichten war es für mich klar, dass Referenzwissenschaft meines Faches die Religionswissenschaft ist. Im Laufe meiner Tätigkeit schloss ich dann Kontakte mit jungen Kolleginnen und Kollegen, die gerade ihr Studium abgeschlossen hatten. Zu meinem Erstaunen haben viele dieser jungen Religionswissenschaftler vielleicht eine Feldforschung in der Mongolei oder im Maghreb durchgeführt und bringen von dort einiges an Detailwissen mit, sind aber meist völlig unbeleckt von seriösen Grundkenntnissen anderer Religionen.

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"Offene Weite - nichts von heilig"

Ich habe in den zehn Jahren meiner Unterrichtstätigkeit an einer Kantonsschule als Lehrer für bekenntnisneutrale Religionskunde viele interessante und aufgestellte Menschen kennen gelernt: Schülerinnen und Schüler, Lehrerkollegen, die Mitglieder der Schulleitung…


Aber trotzdem halte ich dieses Schulsystem für falsch.

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Identität

Was macht die Identität eines Menschen aus? Sein Aussehen? Seine Kleidung? Sein Glauben? Sein Verhalten? Seine Arbeit?


Dies Fragen haben mich jetzt schon eine ganze Weile lang beschäftigt. Zuerst, als ich vor drei Jahren krank wurde und ein Jahr lang meine Arbeit als Religionslehrerin für muslimische Kinder und Jugendliche niederlegen musste. Diese Arbeit war mehr als ein Beruf, sie war Lebensaufgabe und Freude – und ja, ich gebe es zu – mein gefühlter persönlicher Beitrag, die Welt etwas zu verbessern. Ich fühlte mich, als wäre ein Teil meiner Identität weggerissen worden. Wer war ich? Was blieb noch von mir übrig? Ich fragte mich, ob es wohl den Menschen nach der Pensionierung auch so geht?

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Der Film am Zeitpunkt des Todes

 "Warum bereitet ihr euch eigentlich so sehr auf den Tod vor?" wurde ich kürzlich von jemandem gefragt. Ein berechtigte Frage, welche einfach beantwortet werden kann: „Weil der Tod die letztlich grosse Prüfung des Lebens ist!"
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Zurück auf "Start"

03.Dezember 2018. Gerade kaufte ich mir die Dezember-Ausgabe 2018 des Monatsmagazin der NZZ, das "NZZ Folio". 21 Personen verschiedener Jahrgänge schildern in mehreren Protokollen ihre Kindheit, darunter auch ich. Erneut bekam ich die Gelegenheit, Erlebtes zu schildern und mit der Öffentlichkeit zu teilen. Weshalb an dieser Stelle nun nicht der nächste Blog - Beitrag zur Thematik der "Charta christlicher Kinder- und Jugendarbeit erscheint, will ich hier kurz erläutern.

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Befreiung ist das Ziel

Als Christen haben wir zwei grossartige und idealerweise wirkmächtige Befreiungsgeschichten im Traditionsschatz: Die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten und die Befreiung mit der Anführerfigur Mose und die Befreiung von persönlicher Schuld und vom Zwang zum Opfer durch den Tod Jesu am Kreuz. Persönlich finde ich es eine grossartige Sache, dass Fremdarbeiter in die Freiheit gelangen und persönliche Schuld nicht auf ewig in Stein gemeisselt weiter getragen werden muss. Freiheit von äusserer Unterdrückung und Freiheit von innerer Verurteilung sind grossartige Errungenschaften, die nicht nur in Geschichten ihren Platz haben, sondern auch in unserem Leben erkämpft und bewahrt sein wollen.

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Paradies und moderne Erziehungskunst

Mit dem Erziehen unserer Kinder lerne ich laufend dazu. Eine wichtige Lektion war für mich, dass Nein-Botschaften oder gar Verbote denkbar schlecht ankommen und meistens eher zu Rebellion als zu Gehorsam führen. Dasselbe gilt für Appelle wie "Halt!" oder "Stopp!" oder ähnlich. Funktionieren tun solche drastischen Eingriffe in die Eigendynamik des Kindes eigentlich nur, wenn sie äusserst selten und wohldosiert eingesetzt werden.
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Blaue Moschee trifft auf orangen Tempel

"Allahu Akbar, Allahu Akbar ..!" Allah ist großartig! Ungefähr fünfundzwanzig Männer stehen in einer Reihe auf einem blauen Teppich in Richtung Mekka, verneigen sich immer wieder und bringen Gebete dar. Es ist Freitag Abend, 21:33 Uhr. Ich bin mit einer Gruppe von Krishna-Geweihten zu Gast am Abendgebet in der Blauen Moschee hier in Zürich. Am Tag zuvor hatten einige Mitglieder dieser muslimischen Gemeinschaft unseren Tempel besucht und nahmen an unserer Abendzeremonie teil. Unsere beiden Gemeinden wurden im Rahmen eines Jubiläumsprojekts durch das Zürcher Forum der Religionen zusammengeführt und zu einer Partnerschaft geformt.


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Die Radikalisierung der Welt durch Algorithmen

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wieso sich unsere Gesellschaft immer stärker polarisiert? Und wieso es so scheint, als würden wir als Menschheit gerade kollektiv den Verstand verlieren? – Die Antwort auf diese Fragen lautet: Wir steuern gerade auf eine dystopische Zukunft zu. Und das ist ein Problem. Im Ernst.


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Schauen Mönche Fussball?

FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Russland 2018 - Fußball fasziniert die Welt. Wohin man auch schaute, Fußball schien alle zu beeinflussen. In vielen Ländern rund um den Globus wurden die Fußballspiele zu Hause, auf Smartphones während der Arbeit oder abends in Restaurants und Bars auf großen Bildschirmen mitverfolgt. Auch Leute, die normalerweise kein Interesse am Sport zeigen, waren plötzlich die größten Fans ihrer Fußballnationalmannschaft. Jeder schien vom Fußballfieber befallen zu sein.

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Ein anderer Blickwinkel auf die Charta christlicher Kinder- und Jugendarbeit, Teil 2

In der Sendung «Talk Täglich» vom 10.April 2018 auf Tele Züri, in welcher ich als ehemaliges Mitglied der Siebenten-Tags Adventisten zusammen mit Hugo Stamm (Sektenexperte) eingeladen war, liess ich die Öffentlichkeit etwas wissen. Ich will mit meinen Veröffentlichungen u.a. publik machen, welch ungeheuerlicher psychischer Druck durch die Literatur Ellen G. Whites auf adventistische Mitglieder und auch auf ihre sonstige Leserschaft ausgeübt wird. Ich zeigte zudem auf, dass innerhalb dieser Literatur andere Werte gelehrt werden als jene Moral, welche nach aussen hin durch Kirchenvertreter gegenüber der Öffentlichkeit vertreten wird.


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