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Bible Belt, Creation MuseumVeranstaltungsbericht: Studienreise durch den Bible Belt

Der evangelikale Protestantismus übt nirgends eine so umfassende Wirkung auf Gesellschaft und Kultur aus, wie im US-amerikanischen Bible Belt. Die evangelikale Tradition und die damit einhergehenden religiösen Vorstellungen, Praktiken und Organisationsformen waren Gegenstand eines Seminars der Universität Zürich 2012. Abschluss des Seminars war die Reise durch den Bible Belt. Somit wurde Theoretisches erlebt und fassbar. 

Der Austausch mit den Leuten vor Ort hat mir nicht nur die Augen dafür geöffnet, wie ernst und tief sich gewisse Menschen mit ihrem Glauben identifizieren, es hat mich auch persönlich weiter gebracht. Obwohl ich mit den Ansichten der evangelikalen Christen nicht übereinstimme, hat mir die Reise beigebracht, einerseits toleranter und offener solchen Menschen zu begegnen und andererseits Urteile über mich als Person, insbesondere meine Ansichten über gewisse Dinge, nicht persönlich zu nehmen. Ein besonders eindrückliches Highlight war der Besuch im Creation Museum in Petersburg, Ohio.

Die heiligen Stationen

Das Seminar Bible Believers – Evangelikalismus in den USA wurde im Frühjahrssemester 2012 an der religionswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich angeboten. Damit verbunden war eine zweiwöchige Studienreise durch das Bible Belt-Gebiet an dem 20 Studierende, ein Dozent und eine Professorin teilnahmen. Eine Studienreise dient dem universitär begleitenden Lernen ausserhalb des universitären Umfeldes und soll die Studierenden anregen, gemachte Erfahrungen im Feld kritisch zu reflektieren.

Auf dem Programm standen die First Baptist Church Atlanta (GA), das Theologische Seminar der Vanderbilt University in Nashville (TN), die St. Stephen Church und die Southeast Christian Megachurch in Louisville (KY), das Creation Muesum in Petersburg (OH), die Bob Jones University in Greenville (SC) und die St. Joseph Catholic Parish in Athens (GA). Die Reise ging zur fünf Staaten. Überall wurden wir freundlich und interessiert empfangen. Wir erlebten absurde, aber auch lustige Situationen. Eine, die mich persönlich besonders beeindruckte und mir ins Bewusstsein brachte, wie tief der Glaube gehen kann, ereignete sich im Creation Museum.

Dinosaurs and the Bible

Ein Vortrag über Dinosaurier, dem wir im Creation Museum beigewohnt hatten, war Gegenstand einer Diskussion in unserer Gruppe. Es ging um UNSEREN Unglauben darüber, dass es wirklich Leute gibt, die überzeugt sind, dass die Welt nur 6000 Jahre alt ist. Am Nebentisch unterhielt sich eine Gruppe Frauen angeregt über IHREN Unglauben, dass es wirklich Leute gibt, die nicht daran glauben.

Das Cration Museum wurde im Sommer 2007 von der Organisation Answers in Genesis (AiG) eröffnet. Die Ausstellung folgt den 7 C’s of history: von der Erschaffung des Menschen im Garten Eden (Creation) und der Verführung von Eva durch die Schlange (Corruption), über die Grosse Flut und Noah’s Arche (Catastrophe) und den Bau vom Turm von Babel (Confusion), zu der Erlösung und Vergebung der Sünden durch Jesus Christus (Christ und Cross). Das letzte C steht für Consummation (Vollendung) und bezieht sich auf das kommende Reich Gottes auf Erden.

Viel Wert legt die AiG auf die Tatsache, dass Dinosaurier ins Weltbild des Kreationismus passen. Der Besucher begegnet der prähistorischen Echse überall; auf dem Platz vor dem Museum, in der Eingangshalle, während der Ausstellung. Im Shop kann man sich sogar sein eigenes „Dinosaur Poop Excavation Kit“ kaufen. Dinosaurier, lange Zeit als der Beweis für die Evolutionstheorie gehandelt versucht die AiG nun, die Existenz der vorgeschichtlichen Echsen biblisch zu beweisen. Ein Versuch, der etwas verzweifelt anmutet. So war der Vortrag, den wir hören durften voller Widersprüche und Ungereimtheiten, obwohl es schien, dass dies nur uns auffiel. Argumente, die in einem Moment eine Theorie unterstützen, wurden in der nächsten Minute widerlegt, da sie nicht in die folgende Theorie passten.

Die Anhänger dieser Theorie leben in einer Welt, in der das Wort Gottes oberstes Gesetz ist und Skepsis keinen Platz hat. Sie beschäftigen sich mit aktuellen Themen, wie z.B. dem Klimawandel, doch leben sie in ihrer Welt so eingegrenzt, dass eine tiefgehende Auseinandersetzung nicht stattfinden kann, denn in der Bibel wird der Klimawandel nicht erwähnt. Es wirkt so, als ob diese Menschen versuchen simple Antworten auf komplexe Fragen zu finden, in einem Buch, das alles andere als einfach ist.

Fazit

Eine Studienreise macht für Studierende der Religionswissenschaft durchaus Sinn. Nicht nur werden Erwartungshaltungen ans Feld gesprengt und über den Haufen geworfen, auch können Methoden, die theoretisch erlernt wurden praktisch, umgesetzt und angewendet werden. Dies macht den Studierenden klar, dass die erlernte Theorie eben 'nur' Theorie ist.

Die Studienreise in die USA wurde auf Wunsch von einigen Studierenden angeboten und auch von diesen organisiert und geplant. Oft werden Reisen angeboten, die mehr religionsgeschichtlich ausgerichtet sind. Die Studienreise in die USA aber hatte ein aktuelles Phänomen zum Thema und wurde eher aus religionssoziologischer Sicht bearbeitet. Dies ist wichtig für das Studium und fördert auch die Interaktion mit einem 'aktiven' Feld. Ich kann die Reise jedem, der sich für zeitgenössische religiöse Phänomene interessiert, wärmsten empfehlen.

Diese Reise hat mir aufgezeigt, welche Möglichkeiten und Forschungsfelder das Studium der Religionswissenschaft bereit hält. Ich persönlich möchte mich mehr mit dem Evangelikalismus auseinander setzten, insbesondere mit dem Kreationismus, der in der USA prominent vertreten ist, in der Schweiz aber eher noch versteckt gelebt wird.

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