×

Fehler

[OSMyLicensesManager] Alledia framework not found
[OSYouTube] Alledia framework not found

Shamir AlibhaiEin Interview mit Filmproduzent Shamir Alibhai, der vergangenen Sonntag die Filmpremière mit The Aga Khan and the Ismailis feierte.

Ann-Katrin Gässlein: Shamir Alibhai, für wen haben Sie diesen Film gedreht?
Shamir Alibhai: Dieses Filmprojekt war mir seit langem ein Anliegen, besonders in den letzten Jahren, als das Thema Fundamentalismus akut wurde, seit 'Islam' mit 'Bin Laden' so häufig gleichgesetzt wird.

Der Film richtet sich an ein westliches Publikum, dem ich zeigen möchte, dass die islamische Welt weniger einem Monolithen, sondern vielmehr einem Mosaik entspricht. Aber natürlich ist auch das Publikum im Osten angesprochen, das viel über den Islam, aber fast nichts über die Ismailiten weiss.

Im Film wird der Weg der Ismailiten, das Engagement des Aga Khan als vorbildlich dargestellt, da es Brücken zwischen der westlichen und der islamischen Welt schlägt. Ist dieser Weg der einzig mögliche?
Nur eine Form von islamischer Lebensweise wäre nicht wünschenswert. Islam bedeutet mehr als nur Koran: Die Religion beinhaltet immer auch Ästhetik, Kultur, Geschichte – Pluralismus eben. Auch der Brückenschlag zur westlichen Welt kann viele Gesichter annehmen. Daher heisst der Film auch An Islamic Conscience und nicht etwa The Islamic Conscience. Andererseits soll der Film ruhig zeigen, welche sozialen Projekte der Aga Khan initiiert – und diese können durchaus kopiert werden.

Der Aga Khan entspricht ziemlich allen Vorstellungen, die sich der Westen von einem dialogbereiten islamischen Partner macht. Besteht keine Gefahr, dass er instrumentalisiert wird?
Der Aga Khan leitet die ismailitische Gemeinschaft seit über 50 Jahren, es wäre naiv, anzunehmen, er würde sich von aktuellen Strömungen im Westen instrumentalisieren lassen. Er verfolgt eine langfristige Perspektive und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Allein schon seine diplomatische Wendung: "There are friends and people, who are less well disposed" zeigt seine zurückhaltende Art. Ausserdem verzichtet er auf mediale Aufmerksamkeit. Bevor ich das Interview mit ihm drehen konnte, brauchte es ein ganzes Jahr Vorlaufzeit.

Ist diese Zurückhaltung nicht auf ein Problem? Moderate Stimmen aus der islamischen Welt werden viel zu selten gehört…
Die Zurückhaltung kann auch eine Strategie des Aga Khan sein. Vielleicht hat er Erfolg, weil er gerade hinter den Kulissen arbeitet. Er verschwendet keine Energie in den Aufbau eines Medien-Images. Der ganze Einsatz gehört den sozialen Projekten.

Der Film wirft ein kritisches Licht auf die sunnitischen Muslime. Fast immer, wenn von ihnen die Rede ist, werden diese als traditionell, rückwärts gewandt und aufklärungsfeindlich dargestellt. Das entspricht wohl kaum der Realität.
Das stimmt nicht ganz, es kommt beispielsweise Imam Faysal aus New York zu Wort, eine moderate Sunni-Stimme. Ausserdem will und kann der Film nicht alle islamischen Realitäten abbilden, sondern die Biographie eines ungewöhnlichen Mannes schildern. Und Fakt ist: In der Geschichte wurden die Ismailiten, die sich für Entwicklung und Toleranz einsetzen, immer wieder verfolgt und unterdrückt, bis zum heutigen Tag.

Der Aga Khan gilt als einziger spiritueller Führer, der für die ismailitischen Muslime massgeblich ist. Wird er als Repräsentant Gottes auf Erden wahrgenommen?
Die Bewunderung und andächtige Liebe, welche die interviewten Personen dem Aga Khan entgegenbringen, darf nicht dazu führen, zu meinen, dass sie ihn für einen Repräsentanten Gottes halten. Sie sehen vielmehr: Er hat viel für sie getan, vieles auch geopfert.

Welche Hoffnung sehen Sie für die islamische Welt?
Ich schliesse mich der Analyse des Aga Khan an: Bei den heutigen Konflikten handelt es sich nicht um einen Clash of Civilizations, sondern um einen Clash of Ignorance, einen Krieg, der in der Unwissenheit begründet ist. Die Lösung für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben liegt in der Bildung: Lesen, Lernen, Debattieren – dort liegt die Chance für Veränderung, für Entwicklung, für eine hoffnungsvolle Zukunft, gerade auch in der islamischen Welt.


Quelle: Podiumsdiskussion mit Sara Leu, Geschäftsführerin der dokufactory, Shamir Alibhai, Filmproduzent und Regisseur Shamir Alibhai und Arnold Hottinger, langjähriger Korrespondent der NZZ.

Beitrag zum Film "The Aga Khan and the Ismailis"

Kontakt

Andrea Zimmermann
Projektleitung
info(at)religion.ch

Rebekka Khaliefi
Redaktionsleitung
redaktion(at)religion.ch

Marco Messina
Verantwortlicher Blogs
blog(at)religion.ch

Karin Mykytjuk
Koordinatorin
WissensWert Religionen
3000 Bern

Vermerk «religion.ch»
CH69 0900 0000 6069 3663 4