Die "Antwort auf den bundesweit festgestellten Bedarf an einer interreligiösen, interkulturellen Ausbildung" lieferte im Rahmen einer Medienkonferenz die ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) in Winterthur am vergangenen Mittwoch. Geleitet wird das neue Studien-Programm durch das dort ansässige Zentrum Interkultureller Kompetenz des ISBB (Institut für Sprache in Beruf und Bildung), welches ab September 2009 den entsprechenden Lehrgang anbieten will.

Initiant dieses Zertifikatslehrgangs ist der Kanton St. Gallen und wird durch das Kompetenzzentrum Integration, Gleichstellung und Projekte des Kantons St. Gallen sowie durch den Integrationskredit des Bundesamts für Migration unterstützt. Das Studien-Programm richtet sich insbesondere an religiöse Personen, die innerhalb ihrer religiösen Gemeinde eine Verbindungsfunktion (zum Beispiel in Form einer Betreuung) inne haben und so zwischen ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft und anderen religiösen Anschauungen vermitteln können und wollen.

IDA als Ursprung

Das Kompetenzzentrum Integration, Gleichstellung und Projekte des Departements des Inneren des Kantons St. Gallen hat bereits vor einigen Jahren an einem grundlegenden Anlass mitgewirkt: Die Interreligiöse Dialog- und Aktionswoche (IDA) rief nämlich im Jahr 2005 zur St. Galler Erklärung für das Zusammenleben der Religionen und den interreligiösen Dialog, welche nicht nur die Regierungsrätin und Vorsteherin des erwähnten Departements unterschrieben hat, sondern auch der Stadtrat Hubert Schlegel der Direktion Soziales und Sicherheit und die Vertreter der religiösen Institutionen, so auch der damalige Bischof von St.Gallen Ivo Fürer, Pfarrer Dr. Dölf Weder, Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen und Dr. Hisham Maizar, Präsident des Dachverbands Islamischer Gemeinschaften der Ostschweiz und des Fürstentums Liechtenstein. Zielsetzung dieser Erkärung ist, ein friedliches Zusammenleben zwischen den religiösen Gemeinschaften zu gewährleisten und andere Weltanschauungen als solche zu respektieren, radikale und extremistische Sichtweisen hingegen abzulehnen.

Medienmitteilung ZHAW"Erfolgreiche Integration ist kein Zufall!"

Mit dem Hinweis auf das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) und der Verordnung über die Integration von Ausländerinnen und Ausländer (VInA) geht das Bundesamt für Migration BFM davon aus, dass ohne Dialog unter den Religionen keine erfolgreiche Integration möglich sei. Unter dem kämpferischen Motto, dass es sich bei Integration nicht etwa um Zufall handle, zeigt sich das Departement des Innern des Kanton St.Gallens, dem Beda Meier angehört, von der Notwendigkeit einer solchen Weiterbildung überzeugt und möchte bei positiver Bilanz den entsprechenden Kurs für verbindlich erklären. Wie sich das Angebot aber etablieren und eignen wird, lässt sich in etwa einem Jahr festhalten: Dann soll nämlich der im September beginnende Kurs (Anmeldeschluss ist der 15. August 2009) mit einer Ausstellung der durchgeführten Projekte enden.

Mehrere Module sollen die Besucherinnen und Besucher in verschiedenen Bereichen mit anderen Religionen und ihren Eigenheiten und ihren Bedürfnissen konfrontieren. So werden zwei historisch ausgerichtete Module die Geschichte des Christentums und des Islam näher beleuchten, ein weiteres Modul soll die weiteren Religionsgemeinschaften in der Schweiz zum Inhalt haben. Weitere Einheiten legen den Schwerpunkt in die Kommunikation in jedweder Form innerhalb der Gemeinschaften untereinander und den Umgang mit anderen religiösen Gemeinden. Sowohl rückblickend als auch vorausschauend sollen Problemfelder und (mögliche) Konfrontationen im Zusammenleben der verschiedenen religiösen Gruppierungen im Alltag aufgezeigt werden. Der Lehrgang setzt sich zu einem weiteren Teil aus einem praxisorientierten "Mentoring" zusammen, in dem innerhalb der eigenen religiösen Gemeinschaft das erworbene Wissen in Form eines interreligiösen, beziehungsweise interkulturellen Projekts umgesetzt werden soll.

Verständnis fördert Akzeptanz

Der Zertifikationslehrgang Religiöse Begleitung im interkulturellen Kontext hat also primär zum Ziel, dem Besucher des Kurses einen Überblick über die historische und vorallem über die derzeitige religiöse Landschaft und das Zusammenleben untereinander zu vermitteln. Ein weiterer zentraler Punkt liegt in der Thematisierung der interkulturellen Kommunikation, insbesondere im Hinblick auf die verschiedenen Sprechsituationen: sei dies im Alltag oder mit formellem Hintergrund. Das Mentoring und das Erarbeiten eines Projekts, das die kulturelle Vielfalt der Schweizer Gesellschaft vermitteln soll, runden den Kurs mit einem praxisorientierten Bestandteil ab.


PDF LogoBroschüre der ZHAW zum neuen Studiengang CAS Religiöse Betreuung im interkulturellen Kontext

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