Awakening the WarriorBei den Promise Keepers handelt es sich um eine evangelikale Männergruppierung, welche sich für ein starkes Männlichkeitsbild einsetzt. Mit professionell hergestellten Veranstaltungstrailern werden Männer abzuholen versucht. Doch welches Männlichkeitsbild entwerfen sie darin? Welche Männer sollen angesprochen werden? Diese Fragen sollen anhand von der Promofilmen, die eigens zu Werbezwecken für die jährlichen Veranstaltungen aufgenommen wurden, beantwortet werden.


, 3min 37sek, 2013


, 57sek, 2014


, 1min 20sek, 2015


Methode

Die Analyse der Clips wird in fünf Schritten erfolgen:

  1. Eingehende Betrachtung: Der Fokus wird auf den Sprechtext und das die visuellen Elemente sowie deren Kombination gelegt.
  2. Inhalte benennen, Referenzbezüge ausfindig machen. Ich konzentriere mich vor allem auf mögliche Verweise auf Bibelverse sowie Assoziationen, die bedingt durch die Bild- und Wortwahl entstehen.
  3. Kategorisierung der Inhalte, Verweise und Bilder nach Aussagegehalt
  4. Verbindungen unter Inhalten, Verweisen und Bildern ausfindig machen
  5. Vermittelte Männlichkeitsbild rekonstruieren

Das Männlichkeitsbild, das in den Filmen entworfen wird, kann unter folgenden vier Schlagworten zusammengefasst werden

Kampfbereitschaft

Das auffälligste Merkmal der von den Promise Keepers entworfenen Männlichkeit stellen die Kampfbereitschaft und die Nähe zum Militär dar. Bereits die Titel der drei Veranstaltungswerbungen verweisen alle auf die Kampfbereitschaft. Die Pormise Keepers sehen mitten in einen Krieg verwickelt, was zum Beispiel anhand einer Aussage von Bill McCartney deutlich wird. „You might not know that you are a warrior. You might not even know you’re in the middle of a war.” (2013_1.22-1.29) In den drei Filmen wird deutlich, dass die Promise Keepers in jedem Mann einen Krieger vermuten. Diesen wollen sie zum Leben erwecken: „It’s time to rouse from the slumber that besets us. It’s time to take on the battle. It’s time to use the sword of the spirit, which is the word of god.” (2013_2.13-2.22) Während McCartney diese Sätze spricht, wird eine idyllische Szene eingeblendet, bei der ein erwachsener Mann einem Knaben ein Schwert überreicht. Diese Geste signalisiert, dass auch die Promise Keepers-Krieger das Schwert des Geistes empfangen haben. Sie müssen nur noch Gebrauch machen davon.

Der Beschützer und Erlöser

Die Promise Keepers sehen die „Fürsten der Finsternis“ [sinngemäße Übersetzung von „prinicipalities and darkness” (2013_0.32-0.34)] als Widersacher. Zusammengefasst meinen sie den aktuellen Zeitgeist. Damit ist der schwindende Stellenwert des Christentums innerhalb der westlichen Gesellschaft angesprochen. Die Promise Keepers artikulieren implizit den Gedanken, dass die Bevölkerung von bösen spirituellen Mächten vereinnahmt worden sei, die der Gesellschaft Schaden zuführen respektive die Gesellschaft von der christlichen Lebensweise abhalten. Zu dieser Annahme veranlassen mehrere Gründe: „I’m talking about the daily grind of life that tries to conform you to the image of the world.“ (2013_1.39-1.45) Bill McCartney sieht sich einer Welt gegenüber, in der er mit seiner christlichen Lebensweise einer Minderheit angehört, die der Mehrheit angeglichen werden soll. Ein weiterer Hinweis auf diesen implizit artikulierten Gedanken liefern die eingeblendeten Textelemente im Clip aus dem Jahr 2015. Am unteren Bildrand erscheinen jeweils in neongrüner Schrift eine Art Navigationsleisten, welche die Betrachterin in Kenntnis setzen, auf welcher Mission sich die eingeblendeten Kämpfer gerade befinden. Einmal setzten sie sich für die Verteidigung der traditionellen Familie und Ehe ein (2015_0.13-0.21), ein anderes Mal für den Schutz von Ungeborenen und Bedürftigen (2015_0.23-0.28). Als letztes Missionsziel soll die Kirche gestärkt und das Wort Gottes wieder geachtet werden (2015_0.33-0.45). Und zuletzt gilt es jene Szene zu erwähnen, in der verkündet wird, dass schon sehr viele Männer versucht hätten sich dem Lauf der Zeit samt seinen Versuchungen entgegenzustellen und kläglich daran gescheitert seien (2013_0.47-0.49). Offenbar setzen die gesellschaftlichen Entwicklungen den dem Christentum verbundenen Männern hart zu, weil sie ständig von ihrem Weg abzukommen drohen: Es kommt zu Streitereien, allenfalls sogar Gewalteskapaden, in der Ehe (2013_0.17); sie können ihre Vaterrolle nicht mehr wahrnehmen, sondern glänzen durch Abwesenheit (2013_0.41-0.47); eine Scheidung wird wahrscheinlich (2013_0.41-0.47); die Männer versinken in der Isolation, gewöhnen sich einen ungesunden Lebensstil an und verstecken sich hinter dem Computerbildschirm (2013_0.24-0.26). Zudem droht ein übermäßiger Alkoholkonsum sein Leben aus der Bahn zu werfen (2013_0.50). In den drei Promovideos werden die Krieger der Promise Keepers dazu aufgerufen, die Gesellschaft von ihren Leiden zu erlösen, die durch die Vernachlässigung der christlichen Lebensweise entstanden sind. Den Promise Keepers wird einen Status als Erlöser und Beschützer der Gesellschaft (2013_1.45-1.50), insbesondere jedoch der traditionellen Familie zugesprochen (2013_0.41-0.44; 2013_3.18-3.23).

Handeln mit göttlichem Auftrag

Mit den Videos werden Männer angesprochen, die sich als Auserwählte respektive als Erben fühlen, um die Gottes Pläne auszuführen. Darauf weisen diverse Aussagen und Anspielungen hin. Als stellvertretendes Beispiel kann erneut eine Aussage von Bill McCartney verwendet werden:
“While we’re doing in this hours our legacy, the next generation is counting on us. We’re not average men, we’re warriors, we’re sons of god. We’re men of the world. We have no chance. Unless we hear and obey the word of god.” (2014_1.54-2.09)
Dass die Promise Keepers ihren Kampf gegen die negativen gesellschaftlichen Entwicklungen sowie gegen die Bedrohungen in Gottes Namen ausführen zeigt sich mitunter an den Verweisen auf einschlägige Bibelverse. Die Aussage „battles aren’t against flesh and blood“ (2013_0.27-0.28) stammt aus dem Brief an die Epheser. Im Anschluss an diese Aussage (Eph 6,13-17) werden die Adressaten dazu aufgefordert, zur Waffenrüstung Gottes zu greifen, die Wahrheit um die Hüfte zu gurten, den Panzer der Gerechtigkeit überzuziehen, das Verkündung des Friedens als Schuhwerk zu tragen, das Schild des Glauben bei sich zu haben und den Helm des Heils sowie das Schwert des Geistes zu empfangen. Das Schwert des Geistes wird insbesondere im Clip des Jahres 2013 unzählige Male eingeblendet, bis es ein junger Knabe zum Schluss überreicht bekommt. Die Promise Keepers sind sehr bestrebt, den Kampfauftrag der Promise Keepers göttlich legitimiert zu wissen.


Wertorientiert

Der Kampf sei unausweichlich geworden, weil die christliche Lebensweise inklusive ihres Wertesystems in Gefahr sei. Werte können im Anschluss an Margaret Miles und Boris Becker als „the material, relational, social, and political 'goods' that a person or people identify as centrally constitutive of the 'good life'“ (Becker 1985, S. 38) verstanden werden. Meinungen, Haltungen, Einstellungen gegenüber spezifischen Institutionen sowie sexuelles und soziales Verhalten können laut Miles Werte verkörpern. Für die Individuen oder Kollektive sind sie in Bezug auf deren Lebensführung von herausragender Bedeutung, da sie eine Art Orientierungshilfe oder Richtschnur darstellen. Offensichtlich sehnen sich die Promise Keepers nach einem unveränderlichen Wertesystem. Dennoch sind Wertesysteme keine starren, unveränderlichen Grössen, sondern werden innerhalb der Gesellschaft, als auch individuell stets neu ausgehandelt. Die Promise Keepers orientieren sich an mehreren Werten und Leitlinien. Die Rolle des Mannes als Beschützer und teilweise sogar als Erlöser der Familie, der Kirche, bis hin zur Gesellschaft bildet das oberste Kriterium. Die Auswertung der drei Videos lassen darauf schliessen, dass die Männer sieben Grundwerte vertreten müssen, um als Krieger infrage zu kommen: Sie müssen eine innige Beziehung zu Jesus und Gott leben. Sie weisen einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn auf; sind äusserst pflichtbewusst; zeichnen sich durch Geradlinigkeit und Entschlossenheit aus; sind couragiert; dem Vaterland tief verbunden und verspüren ein Gemeinschaftsbedürfnis. Grundvoraussetzung für alle diese Eigenschaften, welche in den Videos von den Männern gefordert wird, ist die Liebe. Die Liebe zu Gott, die Liebe zur Familie sowie die Selbstliebe.


Literatur

Becker, Boris et al.: The influence of personal values on movie preference, in: Austin, Bruce (Hg.): Current Research in Film: Audiences, Economics and Law, Vol. 1: Borwood: Ablex, 1985, 37–50.
Du Gay, Paul et al. 2013: Doing cultural studies. The story of the Sony Walkman [1996], Los Angeles et al.: Sage Publications.
Miles, Margaret (1996): Seeing and believing. Religion and values in the movies, Boston: Beacon Press.

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