×

Fehler

[OSMyLicensesManager] Alledia framework not found
[OSYouTube] Alledia framework not found

StrategienStatements von Wirtschaftsunternehmen und sogar vom Staat in Bezug auf Strategien im Umgang mit den in naher Zukunft zu erwartenden Folgen der Wirtschaftskrise sind wohl gegenwärtig das beste Beispiel für jenes Phänomen, das Huppenbauer als Handeln "[…] im Kontext von Unsicherheiten, Nichtplanbarkeiten, Kontingenzen, Unverfügbarkeiten usw." (2008, 33) nennt.

Religion als Ressource für den Umgang mit dem "Unverfügbaren" 

Anders gesagt handelt es sich um das Managen der sozialen Realität im Angesicht des sogennant "Unverfügbaren". Mit dem Begriff des Unverfügbaren will Markus Huppenbauer jene Sachverhalte bezeichnen, die jenseits des für uns zu Begreifenden liegen und die in diesem Sinne der Handlungsmacht der Menschen entzogen sind. Durch Huppenbauers funktionalistische Religionsdefinition kann er im Phänomen der Religion (beziehungsweise des Glaubens) eine Ressource für den konkreten Umgang mit diesem Unverfügbaren vermuten: "Religiöse Menschen haben spezifische Kompetenzen, mit dem Unverfügbaren umzugehen. Diese Funktionsbestimmung besagt, dass Religion kognitive Orientierungen und emotionale Einstellungen zur Verfügung stellt, die es erlauben, angesichts des Unverfügbaren, des letztlich nicht Kontrollierbaren und nicht Steuerbaren, doch so etwas wie Sinn und Ordnung in der Welt wahrzunehmen und auf spezifische Weise zu codieren" (2008, 34). Im Folgenden stellt Huppenbauer vier Thesen vor, die das Verhältnis von Theologie und Religion betreffen. In diesem Sinne sollen nun die ersten beiden Thesen kurz dargestellt werden, da sie sich durch eine Beobachterperspektive auszeichnen, die das Thema 'Religion und Gesellschaft' religionswissenschaftlich aufgreifen. Die dritte und vierte These hingegen reflektieren systeminterne theologische Überlegungen.

"Managementtools" als Quelle neuer Unsicherheiten 

In seiner ersten These wird die Problematik thematisiert, dass sich die Managemententscheide stets an den Faktoren "[…] Macht, Planen, Steuern, Kontrollieren und Versichern […]" (2008, 35) orientieren würden. Gerade Manager agieren in Situationen höchster Unsicherheiten. Um nun angesichts dieser Unsicherheiten dennoch handlungsfähig bleiben zu können, würden sich die Manager bestimmter Instrumente bedienen (z.B. der sog. Risikoanalyse). Nach Huppenbauer würden aber auch solche „Managementtools“ wiederum neue Unsicherheiten und Unerwartetes generieren. In diesem Sinne fragt er: "Inwiefern und in welchen Settings kann und sollte man es von Managern erwarten, dass sie beispielsweise um Gelingen eines Projektes oder Abwenden des Schlimmen beten und, was immer kommen mag, aus der Hand Gottes zu empfangen?" (2008, 36). Im privaten Kontext mag dieser Bezug auf den religiösen Glauben wohl durchaus vorkommen, das Unternehmen bzw. der Manager in seiner Rolle als Verantwortungsträger wird aber das Unverfügbare oder, wie Huppenbauer es ebenfalls nennt, diese "Wirklichkeit"“ gewissermassen ausblenden.

Damit kommt Huppenbauer zur zweiten These: Wie kann die Theologie ihre Botschaften in Hinblick auf den Umgang mit dem Unverfügbaren in das Managementsystem hineintragen? In Anlehnung an Niklas Luhmann geht Huppenbauer davon aus, dass die durch die funktionale Ausdifferenzierung der modernen Gesellschaft entstandenen Funktionssysteme prinzipiell mit ganz verschiedenen Logiken und Kommunikationscodes operieren. In diesem Sinne "[…] gibt es viele Schnittstellen, die Anlass für Unverständnis, Nicht-Kommunikation und sogar Konflikte sind" (2008, 37). Nach Huppenbauer sind es gerade die Individuen, die ja bekanntlich in verschiedenen Funktionssystemen agieren, welche "[…] Anschlüsse und Übergänge sowie die Integration der Pluralität und Divergenz von Systemen und Kommunikationsformen schaffen müssen" (2008, 37). Gerade das Funktionssystem Religion stelle eine Ressource dar, die den Individuen solche Anschlüsse und Übergänge bereitstellt. Dabei ist zentral, dass die Theologie nicht erwarten dürfe, dass sich ihre Reflexionen unmittelbar und unverändert in den Managementkontext transferieren lassen: "Sinnvoller ist es vermutlich, hier jene hermeneutische Situationen zu inszenieren, welche der Wissenschaftsphilosoph Peter Galison trading zones genannt hat. […] Theologie und Religion würden in solchen Trading Zones ihre Symbole, Geschichten und Rituale möglichst attraktiv präsentieren und handeln. Und darauf hoffen, dass diese eine angemessene Wirksamkeit entfalten" (2008, 38).

Verbindung zwischen Theologie und Management 

Interessant an Huppenbauers Herangehensweise ist, dass er versucht, mittels funktionalistischer Religionsdefinition darzulegen, inwieweit Religion bzw. der Glaube im Kontext des Managements eine Rolle spielen könnte. Welches sind nun aber konkret die Vorteile, die Huppenbauer aus der Verbindung von Theologie und Management insbesondere für die Unternehmen fliessen sieht? Wie er ja selbst schreibt, kann man mit dem Glauben alleine eine Situation an sich nicht beeinflussen (2008, 34). Huppenbauer geht indirekt auf diese Frage ein, indem er schreibt, dass das Ausblenden "[…] bestimmte(r) Wirklichkeiten, die substanziell zum menschlichen Leben und Handeln gehören […]" (2008, 36), negative Folgen im Hinblick auf die moralische Integrität der Manager haben könnte. Für ihn scheint, so könnte man ihm unterstellen, der positive Einfluss der Theologie auf die moralische Integrität der Manager so offensichtlich, dass dieser keiner weiteren Erläuterung oder gar Argumentation mehr bedarf. Sollen aber Huppenbauers Thesen schliesslich, wie er ja offenbar beabsichtigt, Einfluss auf das Management haben, so wird er nicht umhin kommen, die positiven Aspekte offen darzulegen, die aus einer Verbindung von Theologie und Management nach ihm zu erwarten wären, bedenkt man den Umstand, dass wohl die wenigsten Manager studierte Theologen sind und daher kaum um die nach Huppenbauer so offensichtliche positive normative Funktion des Glaubens wissen…


PDF Logo

Huppenbauer, Markus (2008): Management und Spiritualität, in: Evangelischer Pressedienst, 44/45.

Kontakt

Andrea Zimmermann
Projektleitung
info(at)religion.ch

Rebekka Khaliefi
Redaktionsleitung
redaktion(at)religion.ch

Marco Messina
Verantwortlicher Blogs
blog(at)religion.ch

Karin Mykytjuk
Koordinatorin
WissensWert Religionen
3000 Bern

Vermerk «religion.ch»
CH69 0900 0000 6069 3663 4