Promise KeepersEvangelikale stellen in den Vereinigten Staaten die bedeutendste soziale, religiöse und kulturelle Bewegung dar.Im Jahr 1990 sind es Bill McCartney und Dave Wardell, welche ausschließlich Männer in einer evangelikalen Organisation vereinten, um aus ihnen – mit Gottes Hilfe – bessere, verantwortungsvollere Männer zu machen. Nicht nur die strikt monogeschlechtliche Organisation macht die Promise Keepers (PK) zu einer Innovation, sondern auch das Footballstadion als Versammlungsort der PK.

Der erste Gottesdienst, den die PK im Footballstadion von Boulders abhielten, lockte 1991 mehr als 4'000 Männer an. Ihren Höhepunkt erreichten die PK zwischen den 1996 und 1997. In beiden Jahren überschritten die Teilnehmerzahlen an den organisierten Treffen die Millionengrenze. 1997 riefen die PK zur Stand in the Gap: A Sacred Assembly of Men. Am vierten Oktober erschienen zwischen 700'000 und einer Million Männer auf der National Mall in Washington DC, um gemeinsam ihre Sünden zu beichten, für ihre Wiedererweckung und das Wohl ihrer Familie zu beten. In den darauf folgenden Jahren sank das Besucheraufkommen an den PK-Events stetig. Doch wie kam es überhaupt zur Erfolgsgeschichte der PK?Stand in the Gap: A Sacred Assembly of Men

Die Organisation

Bill McCartney, ein Mitbegründer der PK, ist ein entscheidender Akteur in der Erfolgsgeschichte der Organisation. Seine Tätigkeit als Footballcoach an der Universität Colorado Boulder machte ihn der ganzen Region bekannt. Zudem zog er dank herausragender Rhetorik und argumentativem Geschick unzählige PK-Mitglieder an.

Die PK stellen eine Art Interessensgemeinschaft dar, der sich anschließen kann wer will. Via Homepage kann man sich zu einer Mitgliedschaft anmelden und bezahlt monatlich einen selbst gewählten Mitgliederbeitrag – oder in den Worten der PK: eine Spende. Sogenannte PK-Botschafter (Ambassadors) werden beauftragt die PK in der lokalen Kirchgemeinde und dem ansässigen Pastor bekannt zu machen. Da die PK keine eigentliche kirchliche Institution sind, sind sie auf andere Kirchenmitglieder angewiesen, die sich zu den Werten der PK bekennen. Es liegen Aussagen vor, die von einer aggressiven Rekrutierungsmethode der PK sprechen.

Männer unter sich

„[F]or training and teaching on what it means to be godly men“ (URL: PK), führen die PK jährlich zwischen zehn und zwanzig Treffen durch. Männer aus ganz Amerika, „who [are] willing to take a stand for God in their marriages, families, churches, and communities“ (URL: PK) versammeln sich in Footballstadien, wohnen den Predigten bei und beten gemeinsam. Sie wollen einerseits an die Rückbesinnung auf Kirche und Familie erinnern. Andererseits liegt es in ihrem Interesse, Männern, die nach einer religiösen Gemeinschaft und Erlösung suchen ihre Unterstützung zusichern. An den PK-Treffen werden bewusst keine Frauen zugelassen, weil Männer sich in ihrer Privatsphäre gestört fühlen würden und ihre Emotionen weiterhin unter Kontrolle halten würden.

Öffentlich distanzieren sie die PK vehement von Rassismus, Antifeminismus, Homophobie, Intoleranz sowie Alkoholismus, Gleichgültigkeit und Egoismus. Dennoch sehen sie sich mit der Kritik konfrontiert, sie würden Verbindungen zum politischen und religiösen rechten Flügel pflegen. Unabhängig davon, welcher Gesinnung die einzelnen PK sind, werden stets individuelle, nie kollektive Probleme betrachtet. Den PK geht es einzig darum, eine Verbesserung der eigenen Person zu erreichen, anstatt soziale Ungleichheiten als gesellschaftliches Problem sichtbar zu machen.

Die erkrankte Gesellschaft

Promise Keeper in Not

Bill McCartney die amerikanische Gesellschaft der 80er-Jahre als erkrankt und schwach wahr: „Don’t you know what kind of society we have today? It’s an effeminate society. It doesn’t raise men – it doesn’t raise vibrant, energized men who are proud and unashamed of the gospel of Jesus Christ!”(Boll McCartney 1991) Der Gedanke, die Feminisierung der US Gesellschaft als Übel der amerikanischen Gesellschaft zu betrachten, war keineswegs neu. In den 1950ern und 60ern, im Zuge des entstehenden Feminismus, wurden die Frauen von Antifeministen und Evangelikalen für jegliche – in deren Augen negative – Entwicklung ebenfalls verantwortlich gemacht.Bereits damals hieß es, Abtreibungen, steigende Scheidungsraten, die Verbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten, der tiefe Bildungsstandard und der moralische Verfall seien Auswirkungen der Frauenrechtsbewegungen. Bill McCartney schloss sich dieser Sichtweise an, fügte jedoch den hohen Drogen- und Alkoholkonsum zu den Auswirkungen der feministischen Vorstöße hinzu. Die Lösung aller sozialer Probleme liege in der Stärkung der Männer, damit diese die amerikanische Gesellschaft von ihren Krankheiten befreie.

Der Mann als christusähnlicher Erlöser

Die Redner bei den PK-Anlässen betonen in ihren Reden stets aufs Neue, wie wichtig es sei, dass Männer wieder lernen Verantwortung für sich sowie für die Familie zu übernehmen. Die Männer werden dazu angehalten, ihrer Verpflichtung als rechtmäßige Anführer der Gesellschaft und der Familien nachzukommen. Durchsetzungsvermögen, Führungsqualität, Gottesfürchtigkeit, Loyalität, Mut, Selbstkontrolle, Selbstvertrauen und Unabhängigkeit werden als wichtige männliche Merkmale genannt. Im Gegensatz zu anderen vorherrschenden Männlichkeitsentwürfen ist wirtschaftlicher Erfolg irrelevant. Die PK setzen sich für eine weniger karriereorientierte, hingegen fürsorglichere, anteilnehmendere, christliche Männlichkeit ein. Männer sollen nicht zu gefühlslosen Wesen verkommen, sondern ihre Bedürfnisse, ihre Ängste, ihre Sehnsüchte wahrnehmen lernen. Sie sollen sich ihrer Sünden bewusst werden, Reue bekunden, Sinnfragen bearbeiten und durch Hingabe zu Gott eine persönliche Weiterentwicklung erreichen. Nur so würden Männer ihre christusgleiche Rolle als Erlöser der Familie, der Frauen. der Kindern, der Kirche wie auch der Gesellschaft wahrnehmen und die patriarchale Hierarchie wiederherstellen können.

Die Verbindung zwischen PK und Sport

Gottesdienst in Sporthalle

Eine Verbindung zwischen den PK und Sport ist in erster Linie durch die Footballstadien als Ort der Gottesdienste gegeben. Nebst dem räumlichen Bezug zum Sport verkörpert Bill McCartney die Beziehung zum Sport wie kein anderer. Noch heute wird er von den PK fast ausschließlich mit ‚Coach’ angesprochen. Der hohe Stellenwert des Sports müsse gemäß Randy Balmer im Kontext der sozialen Ereignisse in den 1960ern gesehen werden. Damals begannen sich die Frauen in bislang von Männern dominierten Bereichen zu etablieren. Nur im Sport sei ihnen dies nicht gelungen, der Sport – vor allem der Leistungssport – blieb eine männliche Sozialisierungsinstanz. Aufgrund ihrer Tendenzen, die patriarchale Hierarchie aufrecht erhalten zu wollen, würden der Sport, evangelikale Organisationen und der Antifeminismus grosse Überschneidungsflächen aufweisen. Gerade in den 1990ern bot Football den PK einen männlich dominierten Rahmen, der für die Errichtung einer Männerorganisation vorteilhaft sein würde. Der Sport bot ein geeignetes Instrument um die Auffassung einer essentialistischen Superiorität der Männer zu demonstrieren respektive sie aufrechtzuhalten. Der Sport galt – allenfalls mit wenigen Einzelsportarten als Ausnahmen – zweifelsfrei als Männerwelt.

Die PK stellten eine Analogie zwischen Kirche und Sport her: Die Kirchen würden momentan von Frauen dominiert, deshalb seien sie passiv, still, kalt und steril. Dem Sport hingegen verliehen sie gegenteilige Attribute (lebendig, kräftig, dynamisch). Dies sei der Fall, weil er sich in Männerhand befände. Nach Logik der PK müssten in einem ersten Schritt die Männer wiedererweckt werden. Diese wiederum erwecken die Kirche zu neuem Leben und die Kirchen erwecken die Gesellschaft zu neuem Leben.


Literatur

Balmer, Randy (2000): Keep the Faith and go the distance: Promise Keepers, feminism, and the world of sports, in: Dane S. Claussen (Hg.): The Promise Keepers. Essays on Masulinity and Christianity, Jefferson et al.: Mc Farland & Company,194-203.

Beal, Becky (2000): The Promise Keepers’ use of sport in defining “Christlike” masculinity, in: Claussen, Dane S. (Hg.): The Promise Keepers. Essays on masculinity and Christianity, Jefferson / London: McFarland & Company, 153-163.

Beardsley, John: Biblical Discernment Ministries (07.06.15).

Cole, Robert A. (2000): Promising to be a man. Promise Keepers and the organizational constitution of masculinity, in: Claussen, Dane S. (Hg.): The Promise Keepers. Essays on masculinity and Christianity, Jefferson / London: McFarland & Company, 113-132.

Cresta, Michael J. (2000): The Religious Rots oft he Promise Keepers, in: Dane S. Claussen (Hg.): The Promise Keepers. Essays on Masulinity and Christianity, Jefferson et al.: Mc Farland & Company, 20 – 28.

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Eidenmüller, Michael (2000): Promise Keepers and the rhetoric of recruitment: The context, the persona, and the spectacle, in: Dane S. Claussen (Hg.): The Promise Keepers. Essays on Masulinity and Christianity, Jefferson et al.: Mc Farland & Company, 91-101.

Kimmel, Michael (2010): Misframing Men. The poliotics of contemporary masculionity, New Brunswick et al.: Rutgers University Press.

Neiberger, Amy: Promise Keepers: Seven Reasons to Watch Out (07.06.15).

URL

Promise Keepers (29.06.2016)

 

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