MadchenbeschneidungMädchenbeschneidung im Islam

Die Beschneidung weiblicher Genitalien wird hauptsächlich in Ländern Afrikas praktiziert, in denen der Islam vorherrschend ist. Obwohl die Prozedur, welche für die Betroffenen nicht nur einen Schnitt zur Frau, sondern auch einen Schnitt in die Seele bedeutet, nirgends im Koran erwähnt wird, dient der Glaube immer wieder als Begründung für die Tat.

Alle 10 Sekunden werden einem Mädchen die Genitalien beschnitten. Die Eltern empfinden dies als eine religiöse Pflicht und versuchen damit die Chancen ihrer Tochter auf dem Heiratsmarkt zu erhöhen. Bei den meisten Mädchen wird die Beschneidung bei vollem Bewusstsein und unter unhygienischen Bedingungen durchgeführt. Die Kinder durchleben dabei nicht nur körperliche, sondern auch psychische Qualen, welche ihr weiteres Leben beeinträchtigen. Für Einige endet die Prozedur gar mit dem Tod. Dennoch gilt in vielen Gebieten: nur eine beschnittene Frau ist eine gute Muslimin. Ausserhalb Afrikas ist die weibliche Genitalverstümmelung hingegen kaum bekannt und stösst auf grosse Ablehnung.

Im Koran unerwähnt

Obwohl überliefert ist, dass die Mädchenbeschneidung bereits zu Zeiten Mohammeds existierte, wird deren Ausübung im Koran weder erwähnt noch gefordert. Es sind auch keine Überlieferungen bekannt, die besagen, der Prophet Mohammed habe seine Töchter beschneiden lassen.
In der Heiligen Schrift wird Allahs Schöpfung gepriesen und eine Veränderung an ihr gar verboten. Frauen  werden  nicht  mit  einem Geschlechtsteil geboren, welches erst noch vom Menschen perfektioniert werden muss. Schliesslich steht geschrieben,  dass  Allah  nichts  umsonst  geschaffen  hat. "Er ist der Kenner des Verborgenen und des Sichtbaren [...] Der alles gut gemacht hat, was Er erschuf." Befürworter der Mädchenbeschneidung beziehen sich oft auf Hadithen, Überlieferungen von Gesprächen des Propheten Mohammeds. In den Textauszügen wird zwar die Beschneidung angesprochen, es handelt sich dabei jedoch nicht um eine Aufforderung zur Tat, sondern als Schilderung der damaligen Praktiken. In Fachkreisen wird gar die Authentizität einiger Hadithen angezweifelt.

Die Beschneidung weiblicher Genitalien wurde bereits vor der Zeit Mohammeds, der als Begründer der gegenwärtigen Form des Islam bezeichnet werden kann, praktiziert. Hinzu kommt, dass sie in den meisten islamischen Ländern gänzlich unbekannt ist und im Koran nicht erwähnt wird. Folglich handelt es sich dabei nicht um eine grundsätzliche Pflicht, die von Muslimen zwingend erwartet wird. Die Begründung der Tat als eine religiöse Pflicht scheint daher fragwürdig.

Eine kulturelle "Notwendigkeit"

Hinter  der  weiblichen Genitalverstümmelung  verbirgt  sich  vielmehr  ein Konzept des  Frauseins,  eine  etablierte, scheinbare 'Notwendigkeit' und Forderung. Genitalverstümmelte Frauen gelten in jenen Gesellschaften als „normal“. Diese Auffassung hingegen verhindert oder verbietet gar die Akzeptanz der natürlichen Weiblichkeit. Die Prozedur wird als Notwendigkeit verstanden und ist für die Frauen zudem identitätsstiftend; unbeschnittene Frauen werden dadurch somit gar zu Aussenseiterinnen.  Der  soziale  Druck  ist daher zu  hoch,  als  dass  auf  eine Beschneidung verzichtet  werden kann.
Das Unterbinden der Beschneidung gestaltet sich daher als äusserst kompliziert, da diese fest in der Tradition verankert ist und als unabdingbar gilt. Wer daher die Tat verurteilt, verurteilt gleichzeitig Kultur und Tradition eines Volkes.

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