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YogaIn der Schweiz ist Yoga in den letzten Jahren zum Trendsport geworden  sie ist eines der Länder in Europa, in dem Yoga am meisten praktiziert wird. In praktisch allen Fitnesscentern sowie in anderen Trainingsorten werden Yogakurse angeboten. Das Angebot reicht von Power-Yoga zu Bikram- und Hatha-Yoga. Viele Krankenkassen unterstützen sogar finanziell den Besuch solcher Kurse. Dabei stellen sich aber einige Fragen: Ist Yoga wirklich ein Sport oder 'nur' eine Meditationsform zum Nutzen der Religion? Woher kommt Yoga eigentlich und was ist sein Ziel? Und wie ist es zu uns in die Schweiz gelangt?

BrahmanYoga als Weg zur Erkenntnis bei den Brahmanen

Der Yoga entstammt der hinduistischen Tradition. Bereits in den ältesten Texten, den Upanischaden, liest man über Yoga. So etwa folgende Geschichte: Die drei zentralen hinduistischen Götter Indra, Vayu und Agni begegneten dem Brahman, dem Absoluten, erkannten es aber nicht. Daraufhin gingen sie nacheinander zu Brahman, um seine Herkunft zu erforschen. Doch selbst ihre mächtigen Kräfte halfen ihnen dabei nicht und sie versagten. Daraufhin erschien Uma, die Tochter des Himalaya und erklärte den Göttern, dass Brahman das Absolute sei, auf dem alle Macht, auch die ihre, gründe.
Diese Geschichte weist auf die Idee einer Einheit zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen hin. In jedem Menschen steckt Atman, das Göttliche, und dieses ist identisch mit Brahman, dem Absoluten. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen und schlussendlich erleuchtet zu werden, nutzen die Brahmanen den Yoga. Die Brahmanen, hinduistische Priester, erkannten den Nutzen des Yogas. Dieser bestand nicht darin, einen Yoga-Sitz oder eine bestimmte physische Übung zu machen, sondern man sammelte geistige Erfahrungen. Der Begriff  'Yoga' stammt denn auch aus dem Sanskrit und bedeutet im übertragenen Sinn soviel wie, eine Verbindung zwischen Körper und Seele, dem Menschlichen und Göttlichen, herzustellen.

Drei Traditionslinien des Yoga

Die Erfahrung des Erkennens soll als Grundprinzip dabei helfen, die Realität zu erfassen. Für die Yogis ist die Welt nicht begrenzt, sondern führt unendlich weiter, bis sie ihr Ziel erreicht haben: das Absolute, Brahman, zu erfassen und den göttlichen Weg des Menschen zu erkennen. Dieser Weg ist dadurch gekennzeichnet, dass der Mensch sich zurückzieht. Man macht wenig, um damit ans 'Mehr' zu kommen. So ist es einfacher, loszulassen und sich von der Welt zu lösen. Dies hilft auf dem Weg zur Erkenntnis. Über einen Zeitraum von mindestens 4000 Jahren entwickelten sich zahlreiche Yoga-Formen. Mit der Zeit kristallisierten sich drei Traditionslinien des Yoga heraus. Die eine blieb die religiöse, welche auf der Erfahrung des Absoluten ausgerichtet war. Der Yoga war dabei aber nicht selber Religion, sondern nur ein Teil der Religionsausübung. Eine weitere Linie des Yoga war die philosophische, bei welcher auch die Meditation mit einbezogen wurde. Der Schwerpunkt lag dabei aber bei der Findung des Selbst. Gleichzeitig versuchte man herauszufinden, was mit dem Körper passiert, während er Yoga macht. Erst etwa im 10. Jahrhundert begann man, auch den Körper in die Meditation mit einzubeziehen. Im sogenannten Hatha-Yoga versuchte man nicht nur die Seele, sondern auch den Körper mit der Erfahrung in Einklang zu bringen. Die rein geistigen Übungen ergänzte man mit physischen Positionen und Atemübungen der Meditation.

Der Westen entdeckt die Yoga-Praxis als alternativer Lebensstil

Durch die Kolonialisierung Indiens Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine Pforte zum Westen geöffnet orientalisches Gedankengut kam vermehrt nach Europa. Im 20. Jahrhundert hatte die Industrialisierung zu einer Zivilisationskritik geführt und man suchte alternative Wege im Leben. In ganz Europa und auch der Schweiz nahm zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Lebensreform-Bewegung ihren Anfang. Ziel war es, wieder ein Leben im Einklang mit der Natur zu führen, wobei die gesamte Gesellschaft von diesem allumfassenden Wandel verbessert werden sollte. In der Schweiz schuf man auf dem Monte Verità oberhalb Asconas ein Naturheilsanatorium, welches ein Ort der Kommunikation und der Verbreitung solcher reformatorischen Ideen wurde. Künstler, Aussteiger, Politiker und Esoteriker nahmen an den Treffen und Diskussionen teil, darunter bekannte Personen, die sich mit fernöstlichen Religionen und Philosophien beschäftigeten, wie etwa Hermann Hesse, Romain Rolland oder Rudolf Steiner. Nicht zuletzt war der Monte Verità Anzugspunkt für viele, die ihre Wahrheiten verkünden wollten. Mit Rudolf Steiner gehörten u.a. auch Diskussionen über die Theosophie zum Programm, es wurde aber auch philosophiert und Gedankengut und Praktiken orientalischer Religionen diskutiert. Die Theosophische Gesellschaft war nicht zuletzt eine der ersten, die östliche Religionen und auch eine Yoga-Praxis in ganz Europa propagierten. Gleichzeitig versuchte man sich auf dem Monte Verità in neuen körperlichen Übungen, welche die Seele reinigen sollten. Neben Ausdruckstanz, Atemübungen und Bewegung in der freien Natur fand vor allem das Hatha-Yoga Anklang bei den Besuchern. Es passte gut zum angestrebten Bewusstsein von einer Einheit von Körper, Geist und Seele.

Aus dem Lebensreformerischen Engagement der 20er- und 30er-Jahren lassen sich auch heute noch viele Spuren in 'unserem' Yoga nachweisen. Dazu beigetragen haben unter anderem etwa der Schweizer Dr. Max Oskar Bircher-Benner, der für einen gesunden Lebens- und Ernährungsstil einstand und Yoga als Teil eines gesunden Lebensstils wissenschaftlich und medizinisch legitimieren wollte. Oder etwa Werner Zimmermann, Gründer des Schweizerischen Licht-Bunds, welcher Yoga als eine Form der bewussten Gymnastik in sein umfangreiches Reformprogramm aus Körperkultur, Sexualreform, Ernährungsreform, Schulreform, etc., eingebaut hat. Ein weiterer Schweizer hat das Yoga auf seine Weise geprägt:  G.C. Jung. Er interessierte sich vor allem für die pychologische Seite des Yogas und hielt in der ganzen Schweiz Vorträge darüber. Er selbst praktizierte Yoga als Beruhigungstechnik während dem ersten Weltkrieg.

Hermann Hesse, Monte VeritàGründung von Yoga-Schulen in der Schweiz und allmähliche Vermarktung des Yoga

Erwähnenswert ist zudem das Werk Siddhartha von Herman Hesse, welches in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg einen regelrechten Asia-Boom auslöste . Gerade in Künstler- und Intellektuellenkreisen war man offen für asiatische Religion und Philosophie, aber auch in breiten Kreisen der Gesellschaft fanden diese Anklang nach den Grauen des ersten Weltkrieges. In den 30er- und 40er-Jahren entstand in der Schweiz ein eigentlicher Markt für die Yoga-Literatur, wohl auch wiederum zusammenhängend mit der mit dem zweiten Weltkrieg verbundenen Angst und dem Bedürfnis nach Sinn. Zu erwähnen ist hier das Buch Sport und Yoga, welches vom Inder Selvarajan Yesudian und seiner Partnerin Elisabeth Haich bereits anfangs der 40er-Jahre herausgegeben wurde. Das Paar migrierte Ende der 40er-Jahren in die Schweiz und gründete hier mehrere Yoga-Schulen. Dank ihnen wurde Yoga einer breiten Gesellschaft zugänglich. Dabei trafen sie den Nerv der Zeit: Nach dem zweiten Weltkrieg versuchten viele, die grauenhaften Erfahrungen durch viel süsses und fettiges Essen zu vergessen. Die Medien befürchteten schon eine Verfettung ganzer Völkerstämme. So kam ein neuer Aspekt des Yoga hinzu: Yoga als Mittel, um schlank zu bleiben.

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts legte also die Basis für das heutige Yoga: Yoga für die Gesundheit, für den Stressabbau, als Sport. Ein weiterer Aspekt gelangte Ende der 50er-Jahre hinzu. Der Yogi Maharishi Mahesh kam in die Schweiz und gründete die Transzendentale Meditation, auch als TM-Bewegung bekannt. Obwohl nicht als religiös bezeichnet, steht hier Yoga und Meditation wieder in einem näheren Bezug zum hinduistischen Ursprung bzw. zum Spirituellen. In der Schweiz fand diese Bewegung gerade in der Jugendkultur der 60er- und 70er-Jahren viele Anhänger. Ebenfalls kann man hier die Anhänger des Kriya-Yoga erwähnen. Seit den 90er-Jahren ist in der Schweiz ein reges Interesse an dieser Form des Yoga zu verzeichnen, bei der Yoga in hinduistische Konzepte von Mensch, Seele und Kosmos zurück gestellt wird.

Parallel zu der Jugendkultur-Bewegung der 60er Jahre wurde 1968 die heutige Schweizerische Yoga Gesellschaft gegründet, eine Art Berufsverband für Yoga-Lehrer_innen. Yoga wurde vermehrt vermarktet, kommerzialisiert und professionalisiert und somit für alle zugänglich. Es bildeten sich weitere Yoga-Gesellschaften und Yoga-Verbände. Diese bieten nicht nur Kurse an, sondern kontrollieren diese auch – auf Qualität wird geachtet. Mitbegründer der Schweizerischen Yoga Gesellschaft waren auch massgeblich an der Gründung der ersten internationalen Europäischen Yoga Union beteiligt.

Wo bleibt der spirituelle Ursprung des Yoga?

Selten wird man auf den spirituellen und vor allem geschichtlichen Hintergrund des Yoga hingewiesen. Die meisten besuchen Yogakurse aus sportlichen oder gesundheitlichen Gründen. Im Grunde genommen ist Yoga aber kein Sport, sondern eine Meditationsform, welche im Hinduismus praktiziert wird. In unserer Gesellschaft ist es jedoch kommerzialisiert worden und entspricht einem Sport. Doch werden wohl die meisten Ausübenden bestätigen, dass Yoga auch gut auf die Seele wirkt, ohne dass man den religiösen Hintergrund kennt. Und schliesslich ist es auch schön zu wissen, dass man ein religiöses Ritual machen kann, ohne dieser Religion angehörig zu sein.

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