Haus der Religionen ©Simon Gaus
In den letzten Jahrzehnten sind in der Schweiz sowohl auf nationaler als auch regionaler und lokaler Ebene etliche Institutionen und Projekte initiiert worden, die sich dem interreligiösen Dialog widmen. Wie erwähnt geht weitaus der grösste Teil davon auf die Initiative von christlichen Kirchen oder von kirchlich engagierten Personen zurück und werden von diesen getragen. Im folgenden sollen beispielhaft einige Organisationen, Aktivitäten und Angebote vorgestellt werden.

Nationale Organisationen

Eine der bedeutendsten nationalen Organisationen ist die 1992 gegründete Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft der Schweiz (IRAS COTIS), die sich als Interessensgemeinschaft der in der Schweiz vertretenen Religionsgemeinschaften versteht und sich in erster Linie der Vernetzung der verschiedenen lokalen Organisationen im interreligiösen Bereich widmet. 2007 initiierte sie die inzwischen jährlich durchgeführte Woche der Religionen, in deren Rahmen eine Vielzahl von Veranstaltungen in der gesamten Schweiz stattfinden.

Auf institutioneller bzw. nationaler Ebene zu erwähnen ist der Schweizerische Rat der Religionen, welcher 2006 gegründet wurde. Mit dem Ziel, das Vertrauen zwischen den Religionsgemeinschaften und den religiösen Frieden zu fördern und aktuelle religionspolitische Fragestellungen zu diskutieren, treffen sich Leitungspersonen der drei Landeskirchen, der jüdischen Gemeinschaften sowie der muslimischen Organisationen. Der Rat ist insofern von besonderer Bedeutung, da er einen offiziellen Charakter beansprucht und beispielsweise für die Bundesbehörden als direkter Ansprechpartner in religiösen Belangen wahrgenommen wird.

Hinzu kommen bilaterale Gesprächskommissionen, welche jedoch repräsentative Gesprächspartner voraussetzen. Während dies beim Judentum mit dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund und bei den christlichen Landeskirchen mit dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund SEK sowie der Schweizer Bischofskonferenz SBK gegeben ist, fehlt den Muslimen ein Dachverband, welcher als repräsentativer Ansprechpartner der muslimischen Gemeinschaften in der Schweiz anerkannt ist. Eine Förderung des islamisch-christlichen Dialogs strebt allerdings die 2001 gegründete Arbeitsgruppe Islam der Schweizer Bischofskonferenz an.

Regionale und lokale Vereine, Projekte und BegegnungsorteRheinfelden Iftar ©Simon Gaus

Nebst diesen nationalen Institutionen sind in den letzten Jahren auf regionaler und lokaler Ebene zahlreiche interreligiöse Arbeitskreise, Foren und Runde Tische entstanden. In Zürich werden beispielsweise eine Vielzahl von Aktivitäten, zum Beispiel regelmässige Besuchstage in Moscheen oder Synagogen in der Stadt Zürich, durch das Zürcher Forum der Religionen organisiert. Der Verein will als Bindeglied zwischen den Religionen im Kanton und dem Staat zu einer verbesserten Integration beitragen. Ein besonderes Projekt wird vom Verein Haus der Religionen – Dialog der Kulturen in Bern verfolgt: Der aus dem Berner Runden Tisch der Religionen hervorgegangene Verein strebt den Bau eines Gebäudes an, welches sechs Religionsgemeinschaften beherbergen soll. Weitere Runde Tische der Religionen gibt es in Zürich und in St.Gallen, wo sich VertreterInnen verschiedener Religionen und Konfessionen treffen und nebst dem Austausch über religiöse Vorstellungen und Erfahrungen auch Veranstaltungen organisieren. So beteiligt sich der Runde Tisch der Religionen in St. Gallen an der Interreligiösen Dialog- und Aktionswoche (IDA), welche im September 2011 zum vierten Mal stattgefunden hat. In der Westschweiz findet man beispielsweise die Plateforme interreligieuse de Genève, welche unter anderem einen interreligiösen Kalender herausgibt, um SchülerInnen und deren Familien für andersreligiöse Lebensrhythmen zu sensibilisieren. Ebenfalls erwähnenswert ist die Vereinigung L’Arzillier in Lausanne, welche in ihrem Maison de Dialogue regelmässige interreligiöse Veranstaltungen wie Vorträge und Schweigemeditationen anbietet. Weitere Begegnungsorte sind sogenannte Offene Kirchen, wie man sie in Basel, Bern oder Zürich findet.

Interreligiös ausgerichtete Bildungshäuser und Bildungsangebote

Verschiedene Institutionen widmen sich besonders der Wissensvermittlung über verschiedene religiöse Glaubensrichtungen, so zum Beispiel das Zürcher Lehrhaus, das sich als Ort versteht, wo Juden, Christen und Muslime miteinander und voneinander lernen können. Auch auf universitärer Ebene gibt es Forschungsinstitute mit interreligiösen Schwerpunkten, beispielsweise das interuniversitäre Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP), der Studiengang Interreligiöse Studien der Berner Theologischen Fakultät oder das Institut für jüdisch-christliche Forschung an der Universität Luzern.


Weitere interreligiös ausgerichtete Angebote

Aargauer Interreligiöser Arbeitskreis AIRAK
Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz
Arbeitskreis für Zeitfragen und Interreligiösen Dialog der ref. Kirchgemeinde Biel
Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft
(unterschiedliche Regionalgruppen)
CJP Christlich-Jüdische Projekte
Editions Agora, Lausanne
Evangelisches Tagungs- und Studienzentrum Boldern
focolare
Gemeinschaft von Christen und Muslimen in der Schweiz

Interreligiöses Forum Basel IRF
Interreligiöser Think-Tank
Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog, Zürich
Kahtarina Werk, Basel
Lassalle-Haus, Bad Schönbrunn
Oekumene Mission Entwicklung
Paulus Akademie, Zürich
Romero-Haus, Luzern

 

Offene Kirchen

Bahnhofkirche, Zürich
Citykirche, Bern
City-Kirche, Zug
Eglises ouvertes de la Suisse Romande
Offene Kirche Elisabethen, Basel
Offene Kirche St. Leonard, St. Gallen
Olten

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