Die dreiteilige Serie zum Thema interreligiöser Dialog beschäftigt Interreligiöser Dialog verstanden? Wie ist dieses junge Phänomen überhaupt entstanden? Welches sind die Möglichkeiten und Grenzen des Dialogs? Welche nationalen und regionalen Akteure sind in der Schweiz in diesem Bereich tätig? Zudem wird mit einer ausführlichen Linkliste auf verschiedene Organisationen im Bereich des Dialogs verwiesen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Interreligiöser Dialog - ein junges Phänomen

Der Schweizerische Rat der Religionen, das Haus der Religionen, Interreligiöse Arbeitskreise und Foren, Woche der Religionen – die Institutionen, Angebote und Aktivitäten in der Schweiz, die sich dem interreligiösen Dialog widmen, sind heute zahlreich und schwierig zu überblicken.
Tatsächlich ist der interreligiöse Dialog ein eher junges Phänomen, das sich im Zusammenhang mit der zunehmenden religiösen Pluralität in der Schweiz so wie auch in anderen west-europäischen Ländern fast notwendigerweise entwickelt hat. Obwohl in den 1960er-Jahren mit der sogenannten Säkularisierungsthese angenommen wurde, dass Religion und Glauben zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung verlieren und aus dem gesellschaftlichen Leben verschwinden würden, sind Themen rund um religiöse Fragen heute in der Öffentlichkeit sehr präsent.

Grund dafür ist in erster Linie die Veränderung der religiösen Landschaft der Schweiz durch die Einwanderung von Arbeitskräften und Flüchtlingen aus islamischen, buddhistischen und hinduistischen Ländern, die mit der Ermöglichung des Familiennachzugs in den 1970er-Jahren zu einer Etablierung neuer, nichtchristlicher Religionen in der Schweiz führte. So ist der Islam heute mit über 300'000 Mitgliedern die drittgrösste Religionsgemeinschaft in der Schweiz.

Religiöse Vielfalt als Herausforderung

Diese zunehmende religiöse Vielfalt führt dazu, dass im Alltagsleben verschiedene religiöse Traditionen und Vorstellungen aufeinander treffen: Nichtchristliche Religionsgemeinschaften suchen ihren Platz in der Gesellschaft, äussern ihre Bedürfnisse und werden zunehmend in der Öffentlichkeit sichtbar – sei es mit Prozessionen und Festen, mit ihrer Kleidung oder mit religiösen Gebäuden. Religion bleibt somit unweigerlich ein bedeutendes gesellschaftliches Thema, sei es, wenn es um religiöse Bauten und Symbole in der Öffentlichkeit (Bespiel Minarett), um die Gewährleistung angemessener Bestattungsmöglichkeiten oder um die Frage nach religiös begründeten Schuldispensationen – Stichwort Schwimmunterricht – geht. Es ist verständlich, dass die Etablierung nichtchristlicher Glaubensgemeinschaften und die Konfrontation mit anderen Glaubensansichten und fremden Ritualen zu Beginn verunsichert und ein gewisses Konfliktpotential birgt. Vor diesem Hintergrund begannen vor allem die christlichen Kirchen, welche bereits Erfahrungen im ökumenischen Dialog hatten, sich für den interreligiösen Dialog zu engagieren und die Migrantinnen und Migranten in ihrer Integration und ihrer Glaubensausübung zu unterstützen: Wo es schon früher vereinzelte Initiativen des interreligiösen Dialogs eher theoretischer Natur unter Experten gab, etablierte sich der interreligiöse Dialog als Begegnung und alltagsnaher Austausch zwischen Menschen, die dieselbe Lebenswelt teilen.

Formen und Grenzen

Was genau wird aber unter interreligiösem Dialog verstanden? Grundsätzlich versteht man unter dem interreligiösen Dialog oder Dialog der Religionen einen respektvollen Umgang und Meinungsausstasusch zwischen Vertretern  unterschiedlicher Religionen, um das gegenseitige Verständnis und Toleranz zu fördern. Die Formen dieser Begegnungen, der Zusammenarbeit  und des Austausches sind allerdings in der Praxis sehr vielfältig. So kann man unterscheiden zwischen einem theologischen Austausch, wo theore-tisch über Glaubensfragen bzw. die Glaubenslehre diskutiert wird, dem Dialog über gesellschaftspolitische Fragen, wo praktische Fragen des Zusammenlebens angegangen werden, und einem spirituellen Dialog, wo religiöse Erfahrungen in Form von Meditation, Gebeten oder gemeinsamen religiösen Feiern im Zentrum stehen. Strukturell kann zudem unterschiedenen werden zwischen einer institutionellen Ebene, einer Ebene der Vernetzung sowie einer Ebene der Begegnungen.

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